Okinawa


Thomas Sensei in Okinawa 2017

Es ist der 22. Juli 2017. Ich fliege wieder nach Okinawa, um meinen Meister Hokama Tetsuhiro (10. Dan Karate- & Kobu-Jutsu) zu besuchen. Er ist einer der 10 großen Karate-Meister unserer Zeit. Schon sein Großvater trainierte Karate in der alten Tradition des Kämpfens. Das bedeutet Jutsu, „Stillstand ist der Tod – Teitai Soku Shi“ (mein Lehrmotto), „Mit einem Schlag den Kampf beenden – Ikken Hissatsu“ doch immer unter der Prämisse den Kampf zu vermeiden, denn „es gibt keinen ersten Angriff im Karate – Karate ni sente nashi (Funakoshi Gichin)“.

Am 23. Juli lande ich in Naha und fahre mit dem Bus zum Dojo in Uehara/Nishihara. Wie im letzten Jahr, werde ich von den Okinawanern herzlich empfangen. Sie sind Menschen des Königreichs „RyuKyu“ und keine Japaner, wie sie es mir oft erklären. Es fühlt sich für mich immer so an, als ob ich nachhause komme. Jeden Tag Training in der Hitze der Subtropen, 36° Celsius und 85% Luftfeuchtigkeit. Mein Gi ist viel zu dünn, er kann den ganzen Schweiß gar nicht aufnehmen und überall, wo ich bin, muss ich wischenJ. In Hokama Hanshis Dojo wird kein Wettkampfkarate betrieben, sondern der alte Weg unterrichtet. Das Wissen aus dem „Bubishi“ (wichtigstes Buch des Karate) wird hier unmittelbar und direkt gelehrt. Im Bubishi finden sich die Texte Darumas beschrieben. Diese Texte sind das Ekkinkyo und Senzuiko. Bewegungen der Kata folgen sofort Anwendungsmöglichkeiten in der Selbstverteidigung, doch auch die Erwärmungsübungen haben kämpferische Bedeutungen. „Thomas teach please“, sagt Hokama Hanshi so oft und so unterrichte ich wieder Menschen aus der ganzen Welt und helfe ihnen dabei den alten Weg zu verstehen. Es ist immer eine besondere Ehre für mich. Ich liebe das Training des Karate und ebenso des Kobujutsu, das Kämpfen mit den traditionellen Waffen Okinawas. Hokama Hanshi lehrt mich seine Familien Eku-Kata „Goeku-no-Kata“, Kama-Kata, wir trainierten Tonfa und natürlich Bo…

Am 28. Juli sagt Hokama Hanshi zu mir: „Thomas, tomorrow you make Dan-Test to 6. Dan.” - also Morgen Dan-Prüfung. Ich war nicht nervös oder aufgeregt, denn was ich kann, das kann ich zeigen und der Großmeister sagt Bescheid, wenn man bereit ist. Ich gehe in die Prüfung mit dem 4. Dan und darf den 5. Dan überspringen, eine seltene und für mich besondere Auszeichnung.

Erster Test: Unterrichten von Bunkai in der alten traditionellen kämpferischen Tradition mit Anwendungen von Vitalpunktmanipulationen, danach Grundtechnikdemonstration (Einzeltechniken, die natürlich auf dem Niveau des Levels gezeigt werden sollte), Kata aus meinem Stil (Shotokan), ich demonstriere Nijushiho und Gankaku, dann Kata Sanchin aus dem Goju-Ryu-Karate-Jutsu mit Anwendung. Diese Anwendung bedeutet, dass ich mit der Kata das Eisenhemd zu zeigen habe, indem ich ständig, bei der Ausführung der Techniken, geschlagen und getreten werde. Danach muss ich einen Bruchtest absolvieren, d.h. zwei Bretter mit einem Fauststoß und 2 Bretter mit einem Fußtritt zerbrechen. Der vorletzte Test ist die Demonstration einer Waffenform, ich wähle den Bo (langer Kampfstab) und zeige die Kata „Koryu-no-kon“. Abschließend Kumite, ein Trainingskampf gegen meinen guten Freund Alex Powell aus Wales.

Meine Prüfer sind Hokama Tetsuhiro Kaisho (10. Dan), Arakawa Hanshi 8. Dan, Ogura Ken Hanshi 8. Dan, Taira Shihan 6. Dan und noch 3 weitere okinawanische Schwarzgurtträger mit dem 3. Dan (Hokama Hanshis Sohn), 4. Dan und 6. Dan. Ich bestehe die Prüfung mit den höchsten Noten und großer Anerkennung aller anwesenden Karateka aus der ganzen Welt. Nur meine Kata Sanchin ist ein bisschen zu schnell, daran werde ich natürlich arbeitenJ.

Hokama Hanshi verleiht mir den 6. Dan, den Titel eines Shihan und gibt mir die offizielle internationale Lehrerlaubnis als Instructor des Kenshikai, um den alten Weg weiterzugeben…

Zuhause gehen wir den Weg des Shotokan-Karate in seiner ursprünglichen Bedeutung. Diese ist zu forschen, von allen zu lernen, mit offenem Geist alles anzunehmen was gut ist. Es bedeutet sich zu wandeln, Schlechtes loszulassen und weiterzugehen. Im KenshiKai aus Okinawa unter Hokama Tetsuhiro Hanshi wird genau das praktiziert, alle sind willkommen und wir tauschen uns aus. Es entsteht ein Karate der Vollendung, das immer im Wandel ist!

Danke fürs Lesen… Was ist wohl euer Weg in diesem Leben? … Ganz egal, denn alle Wege enden am selben Ort, wichtig ist doch nur, wie wir es leben…

 

Thomas Sensei


Thomas Sensei in Okinawa 2016

Im Sommer 2016 erfüllte sich unser Dojoleiter Thomas einen lang ersehnten Traum. 

Er flog nach Okinawa (Japan) und hatte die große Ehre von Hokama Tetsuhiro Hanshi (10. Dan Goju Ryu Karate), einem der 10 Großmeister Okinawas, persönlich unterrichtet zu werden. 
Vom 23.07.-09.08.16 lehrte Hokama Hanshi Thomas die alten Lehren des Bubishi, er lehrte Ekkinkyo und Senzuiko, die Prinzipien Sanchin und Tensho, Kiko und die Bedeutung der wahren Meisterschaft des Karate. Außerdem lehrte er Thomas Techniken im Sinne der zuvor genannten Prinzipien im KobuJutsu (Kampf mit den traditionellen okinawanischen Waffen). 
Dieses Training, diese Lehre, direkt von Herz zu Herz, ist kein Sportkarate. Es ist etwas vollkommen Anderes, es ist der alte Weg, der Ursprung der wahren Kampfkünste und geht zurück auf Bodhidharma. Diese Lehren können nicht aufgeschrieben werden. Man muss sie direkt bei einem Lehrer erfahren. Hokama Hanshi verkörpert diese Lehren vollkommen. So trainieren wir seit Anbeginn unseres Karatestudiums in Torgelow und endlich haben wir einen Lehrer gefunden, der genau das lebt und versteht! 
Unser Karate ist sehr stark, Hokama Hanshi hat Thomas eingeladen im nächsten Jahr wieder zu ihm zu kommen. Er war sehr beeindruckt von seinen Fähigkeiten und hieß ihn herzlich in seinem Dojo und seiner Organisation Kenshikai willkommen. 
Der Weg in die Vergangenheit, dem tiefen Wissen unseres geliebten Karate, führt zu großer Erkenntnis. Im Einklang mit den Veränderungen der Jahrhunderte bis zum heutigen Tag vervollkommnen und perfektionieren wir unsere Kampfkunst. Indem wir diesen Weg leben, erkennen auch wir immer mehr uns selbst, werden immer vollkommener und hören niemals auf uns zu wandeln ... so wie es keinen Stopp im Karate gibt, denn Stillstand ist der Tod. Es geht nicht darum zu gewinnen, weder einen Platz noch einen Preis. Es geht darum nicht zu verlieren, zu überleben, sich selbst zu vollenden, zu erkennen und seinen Platz im Universum zu finden... ein glückliches und gesundes, langes Leben zu führen und nie zu vergessen das Leben nicht zu ernst zu nehmen, denn man kommt sowieso nicht lebend raus. 
Bewahre den Geist des Anfängers und verschwende keinen Tag, stets stell voran die Tat vor Müßiggang und siege ohne zu kämpfen.